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Prof. Dr. Björn Maier

23. September 2020

Entwicklung von Standards für das Controlling in der Gesundheitswirtschaft

Beitrag von Prof. Dr. Björn Maier, DVKC e. V.

Einen großen Beitrag zur Verbesserung der Steuerung von Krankenhäusern können Standards im Controlling leisten. Sie unterstützen den Aufbau und Ablauf der Controllingsysteme und -instrumente durch klare Vorgaben. Sie stellen ein bewährtes Fachkonzept dar, das es den Gesundheitseinrichtungen ermöglicht, sich auf die wichtigen managementorientierten Fragestellungen zu konzentrieren: Das bedeutet, die Wandlungsprozesse in der Zeit der Einführung zu moderieren und die Steuerungsinformationen in Entscheidungen umzusetzen, die einer Verbesserung der Patientenversorgung oder der Wirtschaftlichkeit dienen. Der DVKC e. V. stellt sich dieser Aufgabe und entwickelt Standards zur Steuerung. Dieses Projekt wird aktuell vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gefördert.

Bekannte Instrumente des Controllings (u. a. Kostenträgerrechnung, Deckungsbeitragsrechnung) werden im Krankenhaus darüber hinaus regelmäßig, nicht nur für die interne Steuerung, sondern auch für Betriebsvergleiche genutzt. Gerade bei diesen Fremdvergleichen erweist es sich jedoch als hinderlich bzw. unzureichend, dass die eingesetzten Instrumente überwiegend auf die eigene Institution ausgerichtet und bislang sehr individuell ausgestaltet sind. Ein Vergleich der finanziellen wie auch qualitativen Performance unterschiedlicher Häuser in Regionen, Versorgungsstufen oder insgesamt im Bundesgebiet ist deshalb oft nur rudimentär und erst nach intensiver Datenaufbereitung möglich. Zudem leidet bisweilen die Akzeptanz des Berichtswesens unter der individuellen Ausgestaltung.

Zielsetzung

Ziel des DVKC Projektes „Entwicklung von Standards für das Controlling in der Gesundheitswirtschaft“ ist es, die Steuerungsfähigkeit deutscher Krankenhäuser, sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht als auch mit Blick auf die Versorgungsqualität durch eine Erhöhung von Transparenz und Akzeptanz, zu verbessern. Hierzu soll eine Reihe von Standards entwickelt werden, die Empfehlungen zur Ausgestaltung wesentlicher Teilbereiche des Controllings z. B. in Form von Berechnungsschemata für Konzern-, Klinik- und Abteilungsergebnisse geben. Dabei sollen nicht allein finanzwirtschaftliche Fragestellungen, sondern auch leistungswirtschaftliche Aspekte inklusive der Qualität medizinischer Leistungen betrachtet werden. Die Standards werden eingebettet in ein Rahmenkonzept, das die Grundlagen der Anwendung (u. a. Freiwilligkeit der Anwendung, mögliche Anwendungsstufen, Zertifizierung der Anwendung) darlegt und die Themen der Standards inhaltlich festlegt. Dabei ist kein abschließender Themenkatalog angestrebt, sondern ein offenes System, das fortlaufend auch um neue Themengebiete erweitert werden kann. Ergänzend wird im Rahmen des Projektes ein Zertifizierungssystem entwickelt, das eine Zertifizierung auf verschiedenen Ebenen ermöglicht. Geplant ist die Zertifizierung von (a) Krankenhäusern als Anwender der Standards, von (b) Beschäftigten, sowohl in Linien- als auch in Leitungsfunktionen, im Controlling als Teilnehmer an Fortbildungen zu den Standardinhalten und von (c) EDV-Systemen und Software als standardkonforme Umsetzungslösungen.
Abbildung 1: Übersicht (geplanter) Standards

Aktueller Stand des Vorhabens

Der CS 100 zur Standardisierung der Ergebnisrechnung auf Einrichtungs- und Verbundebene wurde Ende April 2020 veröffentlicht und wird im Moment in ausgewählten Einrichtungen pilotiert. Die bisherigen Rückmeldungen aus der Praxis, die die Projektgruppe mittels eines systematischen Evaluierungsprozesses erhebt, sind sehr positiv. Das bestärkt den DVKC in seiner Auffassung, dass es im Markt einen Bedarf bezüglich Standardisierung – und einer damit auch einhergehenden Qualitätsverbesserung – der Unternehmenssteuerung gibt.

Aktuell arbeitet die Projektgruppe an der Finalisierung des Entwurfes zum CS 200 zur mehrstufigen Bereichsergebnisrechnung.

Aktuelles Projekt: Mehrstufige Bereichsergebnisrechnung (CS 200)

Nachdem mit dem CS 100 ein Vorschlag für die Ergebnisrechnung auf Ebene einer Einrichtung oder eines Verbundes vorliegt, geht der CS 200 eine Stufe tiefer und macht einen Vorschlag für die Ermittlung von Ergebnissen auf der Ebene der Fachabteilungen bzw. Bereiche. Der Standard zieht den Begriff „Bereichsergebnisrechnung“ dem Begriff „Deckungsbeitragsrechnung“ vor, da er vorsieht, dass die Bereichsergebnisse bis auf die Stufe des Ergebnisses nach Steuern (EAT) ermittelt werden. Nach aktuellem Planungsstand soll der Entwurf noch im Jahr 2020 veröffentlicht werden.

Parallel zur Fertigstellung des Entwurfes ist die Projektgruppe im Gespräch mit Krankenhäusern, die eine Pilotierung des Standards anstreben. Aufgrund der guten Erfahrungen mit dem CS 100 und/oder aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Situation und dem damit einhergehenden Bedarf an einer Verbesserung der Qualität der steuerungsrelevanten Informationen, sind bereits einige Einrichtungen auf den DVKC zugekommen, um ihr Interesse als Pilothaus zu bekunden.

Bei der Pilotierung wird der CS 200 von interessierten Krankenhäusern implementiert und getestet. Die Pilotierung ist in vier Phasen unterteilt: Implementierung, Evaluation, Echtbetrieb, Evaluation.
Bei der Implementierung werden zum einen im Controlling und in der IT die technischen Voraussetzungen für die Abbildung des jeweiligen Standards in den IT-Systemen der Pilothäuser geschaffen. Hierzu gehören z. B. die Anpassung der Konten- und Kostenstellenzuordnungen, die Abbildung der Verrechnungssystematiken, die Anpassung des Berichtslayouts etc. Da der Ermittlung von Bereichsergebnissen aber immer auch eine Steuerungsphilosophie zugrunde liegen muss, erfordert eine erfolgreiche Einführung des CS 200 neben den Anpassungen in der Kostenrechnung und gegebenenfalls in der Finanzbuchhaltung (inklusive deren Umsetzung in der IT) darüber hinaus aber auch den Dialog mit den Fachabteilungen. Zum einen, um zunächst einmal ganz praktische Fragen der Leistungsverrechnung mit den Leistungserbringern und -empfängern zu klären, wie z. B. welche Leistungen werden von den einzelnen Abteilungen erbracht und in welcher Menge und Qualität. Zum anderen geht es aber auch darum, Veränderungen in der Steuerungsphilosophie, die der CS 200 mit sich bringt, mit den Beteiligten zu besprechen, um sie für das Vorhaben „Verbesserung der Steuerungsfähigkeit ihres Krankenhauses” zu gewinnen und sich ihre Unterstützung zu sichern.

Im Anschluss an die Implementierung erfolgt eine Evaluation, die ggf. auch zu Anpassungen des Standards führen kann. Die Evaluation bewertet sowohl Aufwand und technische Herausforderungen bei der Implementierung als auch die Akzeptanz bei den Anwendern. An die Evaluation schließt sich die Phase des Echtbetriebes an, in der sich der Nutzen der mehrstufigen Bereichsergebnisrechnung über einen aussagefähigen Zeitraum im Tagesgeschäft „beweisen” muss. Auch diese Phase wird anschließend evaluiert. Dabei werden sowohl der Aufwand und die technischen Herausforderungen des Echtbetriebes als auch die Akzeptanz bei den Berichtsempfängern bewertet. Während der gesamten Pilotierung erfolgt ein enger Austausch zwischen DVKC und den Pilothäusern.
Abbildung 2: Zeitplan
An der Pilotierung interessierte Krankenhäuser können sich beim Vorstand des DVKC (dvkc@dvkc.de) melden. Der Ablauf und die Aufgaben der Beteiligten während der Pilotierung werden in einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem einzelnen Krankenhaus und dem DVKC geregelt.

Beteiligte/Beteiligungsmöglichkeiten

Inhaltlich und organisatorisch federführend ist der Deutsche Verein für Krankenhauscontrolling e. V. (DVKC). Darüber hinaus sind in das Projekt mehrere wissenschaftliche Einrichtungen (Board, Beirat, Arbeitsgruppe) und Anwender (Arbeitsgruppe, Feedbackphasen, Pilotierung) intensiv eingebunden. Anwender und Interessierte können sich an der Entwicklung der Standards auf verschiedene Weise beteiligen: Als Mitglied der Arbeitsgruppe, als Feedbackgeber in den Feedbackphasen und als pilotierende Einrichtung.
Projektleitung:
Prof. Dr. Björn Maier – b.maier@itic.de

Projektmanagement:
Babette Drewniok – Drewniok@dvkc.de
„Wir freuen uns, den DVKC Standard gemeinsam mit interessierten Kunden in eisTIK® umzusetzen“, 
zeigt Andree Bogs-Besemer (Teamleiter Consulting bei KMS) auf.

In der Kooperation zwischen dem DVKC und KMS ist es das Ziel, neben der weiteren Etablierung von Standards für das Controlling auch für die Weiterentwicklung einer mehrstufigen Bereichsergebnisrechnung die Kompetenzen zu bündeln.
– AUTOR

Prof. Dr. Björn Maier
Vorsitzender DVKC e. V.

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