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Dr. Daniel Dettling

2. November 2021

Kolumne: Visionen der Gesundheitspolitik

Mehr Patientendemokratie wagen!

Gesundheitspolitik ist Gesellschaftspolitik

„Wer Visionen will, soll zum Arzt gehen“. Der Satz wird dem früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD), dem Vorbild des Wahlsiegers der Bundestagswahl vom 26. September, Olaf Scholz, nachgesagt. An Ärzt:innen herrscht hierzulande (noch) kein Mangel. Was fehlt, sind eine überzeugende Vision und ein attraktives Zielbild.

Das deutsche Gesundheitssystem hat sich in der Coronakrise mit seinem Mix aus Wettbewerb und Regulierung im Vergleich zu anderen OECD-Staaten zwar grundsätzlich als erfolgreich und resilient gezeigt, dennoch steht die Gesundheitspolitik in den nächsten Jahren vor einer grundlegenden Weichenstellung. Es geht um die Balance aus Staat, Markt, Selbstverwaltung und Patientendemokratie. Die Ampel-Koalitionäre verhandeln derzeit darüber, wie das Gesundheitssystem pandemiesicher werden kann. Dazu gehören Vorsorge und Prävention, die Digitalisierung und Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, die sektorenübergreifende Kooperation und Vernetzung zwischen den Gesundheitseinrichtungen und –berufen.

Die drei großen Treiber der Veränderung: Digitalisierung, Kostendruck und Patienten

Das Ziel der neuen Bundesregierung muss dabei vor allem sein, die Schnittstellenverluste wie mangelnde Kommunikation, fehlende Informationen, lückenhafte Dokumentation und unnötige Doppelarbeit zu überwinden. Die drei großen Treiber Digitalisierung, Kostendruck und Patientenorientierung werden dieses Ziel beschleunigen. Digitalisierung unterstützt das Ziel, veraltete Strukturen aufzubrechen und die Qualität der Versorgung zu verbessern. Die nächste Bundesregierung muss eine Krankenhausfinanzierungsreform auf den Weg bringen und die Versorgung effizienter und patientenorientierter machen. „Patientenorientiert“ heißt dabei die Weiterentwicklung des Gesundheitssystems hin zu einer Patientendemokratie, die radikal vom Patienten aus denkt und ihn in alle Entscheidungen rund um seine eigene Gesundheit integriert. Die Patient:innen bekommen mehr Rechte, aber auch mehr Pflichten. Sie übernehmen Verantwortung für sich und ihre Gesundheit und werden dafür mit mehr Lebensqualität und Selbstwirksamkeit belohnt.

Gesundheitsreform jetzt!

Ein breites Bündnis aus Ärzt:innen, Kliniken, Patientenorganisationen, Wissenschaftler:innen und Unternehmen hat sich soeben mit einem flammenden Appell an die nächste Bundesregierung gewandt (www.gesundheitsreform.jetzt) und fordert eine konsequente Ausrichtung an Patientensicherheit, Qualitätssicherung und Mitarbeiterzufriedenheit. Zu den 12 Forderungen des Bündnisses gehören die Stärkung der Patienteninteressen in der Selbstverwaltung und der Fokus auf die elektronische Patientenakte. Meine Vision für die neue Bundesregierung: Das Gesundheitssystem wird zu einem vernetzten Ökosystem aus Krankenkassen, Unternehmen, Versorgungszentren und anderen Plattformen. Die Gesundheitsberufe arbeiten interdisziplinär und in Teams. Das traditionelle Modell der Arzt-Sprechstunde wird abgelöst durch neue Ärzt:in-Pflege-Patient:innen-Interaktionen auf Augenhöhe. Die Selbstverwaltung wird erweitert um Pflege- und Patientenkammern. Gesundheitspolitik wird zur Gesellschaftspolitik. In den Schulen wird Gesundheit zum Unterrichtsfach. 

Wer Visionen sucht, sollte von der Politik in Zukunft mehr erwarten.
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– AUTOR

Dr. Daniel Dettling
Institut für Zukunftspolitik

Dr. Dettling schreibt als externer Autor für KMS regelmäßig Beiträge und informiert über allgemeine und aktuelle Themen aus der Gesundheitsbranche.

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