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28. September 2018

Success Story: Orthopädische Klinik König-Ludwig-Haus

Wenn Effizienz bestraft wird

InEK verordnet Abschläge bei Endoprothetik-DRG: Das Beispiel der Orthopädischen Klinik König-Ludwig-Haus in Würzburg

Das InEK-Dilemma

Die Klinik König-Ludwig-Haus hat – wie andere Fachkliniken und Fachabteilungen auch – in der Orthopädie in den vergangenen Jahren Prozesse optimiert, Wirtschaftlichkeitsreserven gehoben und effizient gearbeitet. Umgesetzt hat die Klinik dies mit Unterstützung der Data Warehouse-Lösung von KMS. Denn mit dessen Softwarelösung eisTIK® sind Kliniken jederzeit über ihre relevanten Zahlen im Bilde. KMS unterstützt nicht nur die  Orthopädische Fachklinik in Würzburg, sondern den kompletten Träger Bezirk Unterfranken.

Doch die Rechnung haben die Krankenhäuser nicht mit dem InEK gemacht. Denn die Überraschung wie der Ärger waren groß, als das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus einige Fallpauschalen in der Endoprothetik zusammenstrich. Und das, weil oder obwohl die Kliniken gut gewirtschaftet hatten, moniert Prof. Dr. med. Maximilian Rudert, der Ärztliche Direktor: „Sollte dieses Beispiel Schule machen, geraten wir bei den Erlösen immer mehr in eine Negativspirale.“ Das wäre dann ein Fehler im System.

»Unsere Bemühungen für mehr Wirtschaftlichkeit werden vom InEK bestraft statt belohnt.«

Prof. Maximilian Rudert
Die Orthopädische Fachklinik in Würzburg gehört seit Beginn an zu den ca. 240 Kalkulationshäusern des InEK. Die Kostenträgerrechnung hat die Controllingabteilung mit der eisTIK® KTR, die inzwischen in 97 Krankenhäusern eingesetzt wird, aufgebaut und tief  ins Berichtswesen des Datawarehouses eingebunden, um so strategisch steuern zu können. Auch für das Jahr 2016 reichte das Krankenhaus seine Daten an die Siegburger Gesellschaft weiter. Auf der Basis dieser Informationen war man beim InEK offenbar zu dem Entschluss gekommen, dass bei der DRG für die Implantation einer künstlichen Hüfte hinsichtlich der Sachkosten noch Luft nach oben ist – zu Lasten der Krankenhäuser. Denn statt wie bisher die Sachkosten aus den gewonnenen Daten des Vorjahres zu berechnen, kürzte das InEK gezielt per Verordnung einige Fallpauschalen mit der Wirkung ab 2017. Was dies für 2018 genau bedeutet, werden die Kliniken erst zum Abschluss des Wirtschaftsjahres wissen. Aber so viel ist Prof. Rudert schon jetzt klar: „Wir müssen mit erheblichen Erlöseinbußen rechnen.“

Dies zu kompensieren fällt spezialisierten Fachkliniken deutlich schwerer als großen Häusern, in denen die Orthopädie – und speziell die Endoprothetik – nur ein Bereich unter vielen anderen ist. Dort ist ein finanzieller Ausgleich über andere – nicht abgewertete DRG eher möglich. Reine orthopädische Fachkrankenhäuser sind dagegen hart getroffen, sie haben kaum Spielraum, um die Verluste aufzufangen. Der Ärztliche Direktor des König-Ludwig-Hauses bringt es deshalb spitz auf den Punkt: „Spezialisierte Fachkrankenhäuser sind die potenziellen Verlierer.“

Die Argumentation der Quersubvention kostenintensiver Leistungen im eigenen Haus durch „ausreichend bis gut“ vergütete Sachleistungen durch das InEK und die Kostenträger geht dadurch mittlerweile ins Leere. 

Die Erkenntnis ist nun das eine, aber sie alleine führt auch nicht weiter. Also haben sich die Würzburger flugs an Strategien gemacht, die zu erwartenden Mindereinnahmen einigermaßen abzufedern. Dabei befinden sie sich durchaus in einem Dilemma. Denn zeigen sie, dass sie trotzdem über die Runden kommen, wird sich das InEK bestätigt fühlen und womöglich weitere DRG-Abschläge verordnen. Resignieren ist aber auch keine Option. So bleibt es deshalb spannend zu beobachten, wohin die mögliche Abwärtsspirale letztendlich führen wird und wer neben den Krankenhäusern die Konsequenzen zu tragen hat.

Die Strategie

„Mit dem Management-Informationssystem eisTIK®“, erklärt Stefan Lachmann, bei KMS für Kundenbeziehungen & Kommunikation zuständig, „versetzen wir Fachabteilungen und Kliniken in die Lage, die eigenen Kosten immer im Blick zu haben.“ Denn es bildet die Basis der operativen und strategischen Klinikführung und stellt die relevanten Informationen bereit.

Stefan Lachmann und seine Kollegen von K|M|S kennen die vertrackte Situation der Kliniken genau. Sie wissen, dass es auch in anderen Kliniken wegen der reduzierten DRG in der Endoprothetik Stellenstreichungen gab. 

Erst einmal haben die Würzburger gerechnet. Bei bestimmten Endoprothetik-Operationen sank die Fallpauschale bereits von 2016 auf 2017 um knapp 650 Euro pro Fall. Das macht insgesamt knapp 500.000 Euro Mindererlöse aus. Den Begriff Verlust mag das InEK aber gar nicht und spricht stattdessen von Umverteilung. Das Problem eines Fachkrankenhauses ist es aber, hält Prof. Maximilian Rudert dagegen: „Eine Umverteilung ist in einem  Fachkrankenhaus nicht möglich: Der Gewinn geht ganz woanders hin, der Verlust bleibt im Haus“. 

Das hatte Konsequenzen für die Strategie. Sie besteht im Wesentlichen aus drei Punkten: Weitere Prozessoptimierung, Reduktion der Verweildauern und Verhandlungen mit der Industrie. Und das alles in drei bis sechs Monaten. Bei der Prozessoptimierung setzten die Entscheider der Orthopädischen Fachklinik vor allem auf Straffung der Prozesse und optimierten Einsatz von Ressourcen soweit überhaupt noch möglich. Bei den Verweildauern konnte eine Reduzierung um einen Tag erreicht werden. Das hat allerdings auch zu Einsparungen bei den Mitarbeitern geführt, die durch Umbesetzung im Unternehmen weiterbeschäftigt werden können. Dies sei aber nur zufällig in der Organisation möglich gewesen und deshalb keine Blaupause für andere.

Auch bei den Verhandlungen mit den Herstellern konnten Verbesserungen erzielt werden, vor allem beim Einkaufspreis. Aber auch da seien die Preise irgendwann mal am unteren Ende angekommen. Bei der Verwaltung, dem Technischen Dienst und der Gebäudestruktur, berichtet Prof. Rudert, gab es in der Kürze der Zeit keine Möglichkeit, Einspareffekte zu erzielen.

»Wir müssen 500.000 Euro Mindereinnahmen bei gleicher Arbeit und gestiegenen Kosten kompensieren.«

Prof. Maximilian Rudert
Der Ausgleich von wegfallenden Erlösen sei nur teilweise, unter schwierigen Bedingungen sowie bei Arbeitszeitverdichtung und Personalreduktion möglich. Denn in einer gut organisierten Klinik sind die Effizienzreserven nahezu erschöpft. 

Innerhalb des DRG-Systems gebe es keine Kompensationsmöglichkeiten mehr, betont Prof. Rudert. Bei den Abschlägen handele es sich um „einen mutwilligen Eingriff in die Logik des InEK-Rechen-Systems durch deren Gesellschafter. Damit ist die Tür für politische Manipulationen geöffnet, um Erlöse nach „Gutsherrenart“ zu verteilen.“ Die Prozessverdichtung führe schließlich dazu, dass für Ärzte und Pflegemitarbeiter immer weniger Zeit am Patienten bleibe. Daran schließt Prof. Rudert die Frage an: „Ist das Ende der Fachkliniken gewollt?“

Für manche Krankenhäuser ist das eine hoch dramatische Situation. Denn die Krankenhäuser und Fachabteilungen haben es geschafft, durch weitere  Prozessoptimierungen und auch durch bessere Einkaufspreise nach harten Verhandlungen mit den Herstellern, die Kosten zu senken. Aber egal, was die Kliniken machen, es ist fatal, denn der Druck auf sie wird immer größer.

Orthopädische Klinik König-Ludwig-Haus

Die Orthopädische Klinik König-Ludwig-Haus ist ein Krankenhaus der orthopädischen Maximalversorgung für die Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen und Verletzungen der Stütz- und Bewegungsorgane. Seit 2013 ist die Klinik als EndoProthetikZentrum der Maximalversorgung durch endoCert zertifiziert.

Die Klinik steht unter der Trägerschaft des Bezirks Unterfranken. In sie integriert sind der Lehrstuhl für Orthopädie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg sowie die Orthopädische Universitäts-Poliklinik. Ärztlicher Direktor und Lehrstuhlinhaber ist Prof. Dr. med. Maximilian Rudert.

Durch die Integration des  Lehrstuhls für Orthopädie der Universität Würzburg in die Orthopädische Klinik König-Ludwig-Haus des Bezirks Unterfranken entstand eine überregionale universitäre Einrichtung der orthopädischen Maximalversorgung, welche die Forschung und Lehre im Fachbereich Orthopädie an der Universität Würzburg repräsentiert.

Patienten aus dem In- und Ausland wird sowohl in der operativen als auch konservativen Behandlung das gesamte Spektrum der modernen Orthopädie angeboten. So werden im König-Ludwig-Haus pro Jahr etwa 4.000 Patienten stationär und 20.000 Patienten ambulant behandelt.

Die Klinik beschäftigt rund 330 Mitarbeiter und verfügt über 105 Betten, die sich auf vier Stationen verteilen. In den fünf OP-Sälen werden jährlich ca. 4.300 Operationen vorgenommen.

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